Zwischen Architektur und Augenblick

Manchmal sind es die Übergänge, die einen Ort ausmachen. Vom Stadtbummel an die Bar, vom Blick auf eine ornamentierte Säule zu einer neuen Idee für den eigenen Raum. In der Kaisergalerie liegen Architektur, Gestaltung und Genuss nah beieinander – und ergeben einen Nachmittag ohne festes Programm.

 

Ein Glas, bevor es weitergeht

Zwischen Große Bleichen und Bleichenfleet ist das UZWEI Deli ein Ort für den Zwischenstopp. Dazu gehört auch UZWEI The Bar: eine Daybar, an der der Nachmittag für einen Moment langsamer werden kann. Etwa bei einem Crémant de Limoux Brut – feinperlig, trocken und französisch geprägt.

Das Entscheidende ist weniger der Anlass als die Situation. Die Einkaufstaschen stehen neben dem Stuhl, draußen geht die Hamburger Innenstadt weiter, drinnen bleibt Zeit für ein Glas. Danach vielleicht zurück in die Stadt, vielleicht noch durch die Kaisergalerie. Ein kleiner Wechsel des Tempos, mitten im Tag.

Geschichte, die sichtbar bleibt

 

Wer durch die Kaisergalerie geht, bewegt sich durch ein Kontorhaus, das zwischen 1907 und 1909 entstand. Bei der Kernsanierung und Restaurierung 2014 nach Entwürfen von David Chipperfield Architects blieb die historische Substanz ein wesentlicher Teil des Hauses. Stuck und Kassettendecken wurden erhalten und in die heutige Nutzung integriert.

Besonders deutlich wird das an den Übergängen zwischen Alt und Neu. Ornamentierte Säulen stehen neben Glas und Holz, historische Formen neben zeitgenössischer Gestaltung. Nichts davon braucht eine große Geste. Oft reicht der Blick nach oben oder auf ein Detail am Weg, um zu verstehen, dass die Geschichte hier nicht Kulisse ist, sondern Teil des täglichen Lebens im Gebäude.

Ein Sofa als kleine Landschaft

Ein paar Schritte weiter geht es bei GÄRTNER um Räume und darum, wie wir sie tatsächlich nutzen. Der Showroom in der Kaisergalerie zeigt Einrichtung nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel von Material, Farbe und Proportion. GÄRTNER plant entsprechend vom einzelnen Raum bis zu vollständigen Wohn- und Arbeitswelten.

Dazu passt Molamisa von Walter Knoll, entworfen von EOOS. Weiche Formen treffen auf bewegliche Lehnen und angewinkelte Flächen. So entstehen unterschiedliche Positionen: aufrechter für ein Gespräch, zurückgelehnter für einen ruhigen Moment. Das Sofa wird zur kleinen Landschaft im Raum – für Nähe und Rückzug. Bei GÄRTNER in der Kaisergalerie lässt sich diese Idee nicht nur ansehen, sondern auch probesitzen.

Ein Glas an der Bar, ein Blick auf die historische Substanz, ein Perspektivwechsel bei GÄRTNER: Die Kaisergalerie verbindet unterschiedliche Momente, ohne sie voneinander zu trennen. Vielleicht liegt ihre Qualität genau darin – dass man nicht für alles einen eigenen Anlass braucht.